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Fünf Kreise

Positionierung

Die Workshops aus der Reihe „die fünf Kreise – nach Musashi
gehen zurück auf die Lehren des Schwertkampfmeisters Miyamoto Musashi.

Abgeleitet aus seinem Buch „Gorin no sho“ – Das Buch der fünf Ringe„.
werden Lehren und Hilfestellungen für Themen wie Disziplin, Ruhe und Gelassenheit im Angesicht von Herausforderungen erarbeitet.

Hintergrund:

Kampfkunst als Lebenskunst

Miyamoto Musashis Lebensgeschichte gleicht dem Plot eines Kampfkunstfilms: Bereits mit 13 Jahren gewann er seinen ersten Kampf, kein einziges Duell seines Lebens hat er jemals verloren, und seine späten Kämpfe gewann er, ohne einen einzigen Schwerthieb auszuteilen. Musashi wird noch heute als „Sensei“, ja fast als Heiliger verehrt. Kurz vor seinem Tod 1645 brachte er die Quintessenz seiner lebenslangen Suche nach Perfektion zu Papier: Das Buch der fünf Ringe. Bemerkenswert an diesem Werk ist, dass es bei Weitem nicht nur von Kampftaktiken und Fechtfiguren handelt – für Musashi zeigt sich der Weg des Kriegers nämlich in jedem Augenblick des Alltagslebens. Sein Buch ist daher nicht nur eine Anleitung zur Kampfkunst, sondern auch ein Buch über Ethik, ein Ratgeber für bewusste, entscheidungsstarke Lebensführung. Wer den Weg des Kriegers meistert, überlebt nicht nur unbesiegt, sondern brilliert in jeder Aufgabe, die er sich stellt. Wie um diesen Anspruch zu beweisen, widmete sich Musashi im hohen Alter der Kalligrafie, der Malerei und der Bildhauerei – und schuf in all diesen Bereichen Werke, die heute als Meisterwerke gehandelt werden. Das Buch der fünf Ringe begründete nicht nur die moderne Kampfkunst Japans, sondern ist als Strategieratgeber bis heute populär.

Take-aways

Das Buch der fünf Ringe ist ein Kerntext der japanischen Kultur.
Inhalt: Die Niten-ichiryū-Schule ist der einzig wahre Weg des Schwertkampfes. Sie verlangt Gleichmut in allen Lebenslagen und lehrt, dass der Erfolg im Kopf beginnt. Wer aufmerksam für die Schwächen seines Gegners ist und wer dessen Rhythmus aufzunehmen vermag, wird ihn besiegen. Das Buch gilt als Gründungsdokument der japanischen Kampfkunst Kendō.
Bis heute wird das Buch als wertvoller Strategieratgeber von Managern gelesen. Musashi schrieb Das Buch der fünf Ringe kurz vor seinem Tod im Jahr 1645. Musashi schrieb diesen Text als Wegweiser für seine Schüler.
Das Buch markiert einen wichtigen Meilenstein der Samurai-Kultur, in der die Kampfkunst eher als Mittel zur Erlangung einer allgemeinen Lebenshaltung diente als dem Krieg.

Miyamoto Musashi gewann alle der über 60 Duelle, die er in seinem Leben austrug. Obwohl sich Musashi zu keiner Religion bekennt, weist sein Buch eine Nähe zum Zen-Buddhismus auf.

 

„In der Welt des ,Nichts‘ gibt es nichts Böses, nur das Gute besteht. Wissen und Talent stoßen in der Menschenwelt auf Grenzen; das gilt sogar für die Kampfkunst. Darum soll der Geist dem ‚Nichts‘ gehören. Dieses bedeutet: Unbegrenzt-Sein.

 

 

Zusammenfassung

Der Weg des Kriegers

Heutzutage gibt es keinen Samurai mehr, niemanden, der mit dem Schwert richtig umzugehen vermag. Der Weg des Kriegers ist zur Scheinkunst und bloßen Geldmacherei verkommen. Schulen sprießen aus dem Boden und ziehen eifrige Schüler an, doch keine einzige erkennt, dass Schwertkampf viel mehr ist als bloße Kriegstechnik.

Es gibt vier Wege, auf denen ein Mensch durchs Leben gehen kann: den des Bauern, den des Handwerkers, den des Kaufmanns und den des Samurais bzw. des Kriegers. Der Bauer bestellt sein Land, indem er den Wetterzyklen des Jahres folgt. Der Kaufmann produziert Güter aus Rohmaterialien, um sie zu verkaufen. Der Handwerker setzt einen Plan um, indem er seine Werkzeuge beherrscht. Der Weg des Kriegers ähnelt dem Weg des Handwerkers. Die Grundsätze des Kriegers kann man mit den Fähigkeiten eines guten Zimmermanns vergleichen: Er plant Großes, muss den Überblick behalten, sein Material und seine Arbeiter genau kennen – und Letztere ihren Kompetenzen gemäß einsetzen. Wie der Zimmermann lernt der Krieger bei einem Meister und versucht durch beharrliches Üben, selbst Meister zu werden. Er führt sein Werkzeug immer mit sich, muss es ständig warten und im besten Zustand bewahren.

„Der Zimmermeister setzt seine Gehilfen nach ihren Fähigkeiten ein (…). Kennt der Zimmermeister seine Gehilfen genau und teilt die Arbeiten entsprechend ihren Talenten auf, werden sie gute Dienste leisten.“ 
(S. 11)

Es gibt fünf „Wege“ der Schwertkunst, die je einem der fünf Elemente zugeordnet sind: Wasser, Erde, Feuer, Wind und die Leere. Das Kapitel zum Element Erde behandelt die Lehre der Schule „Niten-ichiryū“ und ist der Ausgangspunkt für den weiteren Weg. Das Kapitel zum Element Wasser beschreibt den seelischen Zustand, den ein Schüler dieses Weges erreichen muss: formlos und anpassungsfähig wie Wasser. Das Kapitel zum Element Feuer widmet sich dem Kampf. Hier geht es um die Einübung des Kriegers in sekundenschnelles Entscheiden und in die Prinzipien des Krieges. Diese gelten für den Zweikampf wie auch für Schlachten zwischen Armeen. Das Kapitel zum Element Wind bespricht die anderen Schulen des Schwertkampfes. Das Kapitel über die Leere schließlich lehrt, dass ein Krieger, nachdem er die übrigen Prinzipien gemeistert hat, sich von ihnen lösen muss und sie damit verinnerlicht.

Das Buch der Erde

Jeder Krieger trägt zwei Schwerter bei sich: Kurz- und Langschwert. Gemäß der Niten-ichiryū-Schule kämpft er immer mit beiden Schwertern zugleich. Der Schüler muss sich zunächst daran gewöhnen, das mächtige Langschwert mit nur einer Hand zu führen. Jede Waffe muss ihren Eigenheiten entsprechend eingesetzt werden: das Langschwert, wenn viel Platz vorhanden ist, und das Kurzschwert bei engeren Verhältnissen. Aussehen und Verzierungen der Waffen sind egal. Wichtig ist allein der praktische Nutzen und die Schärfe eines Schwertes. Jede Waffe hat Vor- und Nachteile und ein Krieger muss in jeder Situation die jeweils passende Waffe auswählen – keinesfalls darf er bestimmte Waffen anderen vorziehen.

Um die Kampfkunst perfekt zu erlernen, muss man diszipliniert üben und den eigenen Horizont stets erweitern wollen. Dann kann man es auch mit 20 oder 30 Gegnern aufnehmen. Alle Bereiche des Lebens unterliegen bestimmten Rhythmen – so auch die Kampfkunst. Diese Rhythmen zu erkennen ist für den Kaufmann ebenso wichtig wie für den Krieger. In jeder Situation muss man sowohl den passenden, richtigen Rhythmus erkennen – schnell oder langsam, kurz oder lang – als auch den falschen und damit schädlichen. Zudem gilt es, den Rhythmus des Gegners zu erkennen und dementsprechend einen eigenen zu wählen – am besten einen, mit dem der Gegner nicht rechnet.

„Man muss (…) stets den wahren Geist der Kampfkunst aufrechterhalten und sich diszipliniert auf dem Weg üben. Dann wird man in der Lage sein, seine Gegner sowohl mittels körperlicher Techniken als auch durch mentale Kraft zu besiegen.“ 
(S. 20)

Der Krieger muss sich unablässig in seinem Weg üben – Tag und Nacht, mit Leib und Seele. Er sollte sich mit möglichst vielen Fähigkeiten, Techniken und Berufen vertraut machen. Sein Geist sollte immer gegenwärtig sein, noch das kleinste Detail beachten und in jeder Situation so schnell wie möglich erkennen, was eine Handlung nützen und was sie schaden kann. Niemals darf der Krieger arglistige Gedanken haben. Wer diese Regeln beachtet, wird körperlich wie geistig jedem Gegner überlegen sein und damit unbesiegbar. Er wird alle sinnlosen Betätigungen verachten, sich nur mit großen Männern umgeben und als Verwalter bestmöglich für sein Volk und sein Land sorgen. Voraussetzung ist jedoch, dass er die Regeln stets genau befolgt.

Das Buch des Wassers

Die innere Haltung des Kriegers ist stets dieselbe, ob im Kampf oder im Alltag. Sein Geist ist offen und aufmerksam, weder überreizt noch erschöpft, sondern stets ruhig und gleichmütig. Körper und Geist sollen einander so wenig wie möglich beeinflussen. Der Krieger versucht immer, eine distanzierte und überlegte Haltung zu den Dingen zu bewahren, aus der heraus er besser Gut und Böse, Recht und Unrecht erkennen kann. Indem er seine Urteilskraft übt, gelangt der Krieger in einen Zustand, in dem ihn niemand mehr täuschen kann. Seine Körperhaltung ist aufrecht, aber nicht angespannt. Sein Blick ist fokussiert und behält stets das Umfeld im Auge – ohne es aber direkt anzusehen. Die alltägliche Haltung und die Kampfhaltung stimmen überein. Es gibt fünf Haltungen: eine obere, eine mittlere, eine untere, eine rechts- und eine linksseitige. Ihnen entsprechen fünf Angriffstaktiken: aus der oberen Haltung heraus immer genau dann zuschlagen, wenn der Gegner schlägt; aus der mittleren Position heraus die Schläge des Gegners abwehren und zum Konter ansetzen; dem angreifenden Gegner von unten gegen den schwertführenden Arm schlagen; dasselbe, allerdings aus der linksseitigen Position; das Schwert rechts halten und es hochziehen, sobald der Gegner angreift, und selbst von oben angreifen. Mit jedem dieser Angriffe sollte man das Ziel verfolgen, den Gegner niederzuschlagen – sie sind niemals Selbstzweck.

„(…) immer geht es darum, den Gegner unter allen Umständen niederzustrecken. Man denke also nicht ans Schlagen, Streifen, Drücken oder Parieren, sondern lauere auf die Chance, den Gegner zu besiegen.“ (S. 30)

Das Langschwert muss gleichmäßig und ruhig geschwungen werden. Man stellt sich grundsätzlich zunächst mit dem Körper auf den Angriff ein, erst dann führt man diesen mit dem Schwert aus. Trifft der Krieger seinen Gegner mit Absicht, spricht man von einem Hieb. Trifft er ihn nur zufällig, spricht man von einem Streich. Man sollte stets versuchen, dem Gegner ins Gesicht zu zielen. Denn dadurch wird dieser gezwungen, sich abzuwenden – und sobald sich der Gegner abwendet, hat man so gut wie gewonnen. Im Kampf gegen mehrere Gegner gilt es, diese mit beiden Schwertern auf Abstand zu halten, den Rhythmus ihres Angriffs genau zu beobachten, sie in eine einzige Richtung zu drängen – und stets selbst anzugreifen, statt auf einen Angriff zu warten. Der Nutzen jedes Kampfes besteht darin, das Siegen zu erlernen.

Das Buch des Feuers

Viele Kampfkunstlehren konzentrieren sich auf Oberflächlichkeiten wie die Beweglichkeit des Handgelenks – oder darauf, möglichst schnell zu sein. Die Niten-ichiryū-Schule beruht dagegen auf einer umfassenden Lebenshaltung: Der Krieger muss die Prinzipien von Leben und Tod erkannt haben und bereit sein, sein Schicksal herauszufordern. Er muss die Techniken des Schwertkampfes ständig üben und die Kampfstile seiner Gegner blitzschnell erkennen können.

Der Krieger sollte sich selbst oder seine Truppe stets so aufstellen, dass das Licht von hinten oder von rechts kommt. Der Raum sollte nach links und nach hinten hin offen sein. Das Ziel besteht darin, den Gegner nach links hin in die Enge zu treiben. Um im Kampf die Führung zu übernehmen, muss der Krieger entweder als Erster angreifen, den gegnerischen Rhythmus durch ein Ausweichmanöver stören und diesen Moment für den Gegenschlag nutzen oder aber die Angriffe des Gegners gut beobachten und in einem passenden Moment entsprechend reagieren. Wer die Führung im Kampf übernimmt, hat die besten Chancen auf den Sieg.

Der Krieger zielt im Kampf darauf, den Gegner zu lenken, und unternimmt alles, um nicht seinerseits vom Gegner gelenkt zu werden. Er muss daher die Absichten und Fähigkeiten, die Stärken und Schwächen des Gegners schnell erkennen können. Wirkungslose Handlungen des Gegners dürfen zugelassen werden, wirkungsvolle müssen jedoch unbedingt verhindert werden.

Im Kampf wie in der Schlacht ist es immer falsch, das Verhalten des Gegners zu spiegeln oder seine Angriffe immer nur abzuwehren. Der Krieger muss seinem Gegner zuvorkommen, ihn überraschen oder seine Handlungen ins Leere laufen lassen. Er muss den Rhythmus des Gegners genau beobachten, um einen Moment der Schwäche – wenn etwa der Gegner seine Haltung verliert oder verwirrt ist – sofort ausnutzen zu können. Bei aller Beobachtung darf der Krieger jedoch nie passiv werden. Wenn der Gegner auch nur für einen Augenblick aus dem Takt kommt, steht er kurz vor der Niederlage – jetzt muss der Krieger zuschlagen. Dabei ist jedes Mittel recht, um den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen, sei es eine unerwartete Reaktion oder ein heftiger Schrei. Der Krieger muss sich also in die Lage seines Gegners versetzen können. So kann er voller Selbstvertrauen und Stärke handeln. Selbstzweifel und Zögern führen unweigerlich zur Niederlage.

„In meiner Kampfkunst sollte man dem Gegner mit einer starken und direkten Haltung entgegentreten und ihn verwirren. Dreht und krümmt er sich nun selbst, besiegt man ihn gewiss.“ 
(S. 63)

Niemals darf man eine Taktik dreimal im selben Kampf anwenden – ab dem zweiten Mal ist sie dem Gegner bekannt und damit wirkungslos. Ziel jedes Kampfes ist es, den Gegner unfähig zu machen, entschlossen und bewusst zu handeln – und ihn schließlich zu besiegen.

Das Buch des Windes

Um die Niten-ichiryū-Schule zu verstehen, muss man auch die anderen Schulen kennen. Sie haben unterschiedliche Stile entwickelt, doch keine verfolgt den wahren Weg der Kampfkunst. Sie alle betrachten Kampfkunst als ein Mittel zum Geldverdienen. Für sie beschränkt sich Kampfkunst auf die Kenntnis technischer Abläufe. Sie alle scheitern daran, dass sie sich auf bestimmte Einzelheiten konzentrieren – und damit das große Ganze der Kampfkunst verkennen. Schulen, die das große Langschwert bevorzugen, betreiben eine „Schwertkunst der Schwächlinge“: Sie vergessen, dass der Sieg nicht von einem bestimmten Mittel abhängig ist. Andere Schulen lehren, dass das Langschwert mit viel Wucht geführt werden muss. Doch Kraft allein besiegt niemanden. Ein Hieb kann noch so gewaltsam sein, wenn er unvernünftig angesetzt wird, führt er trotzdem zur Niederlage. Auch die Schulen, die sich ausschließlich dem Kampf mit dem Kurzschwert widmen, liegen falsch. Denn im Kampf gegen viele Gegner taugt das Kurzschwert nicht; man gerät unweigerlich ins Hintertreffen und kommt aus dem Verteidigen und Ausweichen nicht mehr zum Angriff und zur Führung. Letztlich gibt es nur eine einzige Methode der Kampfkunst: die fünf Haltungen, die eine ungehinderte Schwertführung ermöglichen. Alle anderen Techniken oder Methoden sind unnütz.

„Ich habe gezeigt, dass es einem aufrichtigen und vernünftigen Betrachter völlig einseitig vorkommen muss, nur ein übergroßes Langschwert zu benutzen oder sich gänzlich dem Kurzschwert zu verschreiben (…) oder entweder nur einen allgemeinen oder nur einen detaillierten Einblick in die Kampfkunst zu gewähren.“ 
(S. 69)

Schließlich gibt es Schulen, die bestimmte Schwerthaltungen vorgeben. Auch sie verfehlen das Wesen des Kampfes. Denn im Kampf geht es darum, den Gegner zu besiegen, indem man sich geschickt bewegt, die Führung an sich reißt und den Gegner aus dem Gleichgewicht bringt. Wenn man dagegen starr in einer bestimmten Haltung verharrt, verliert man garantiert. Die Niten-ichiryū-Schule lehrt daher freie Stellungen: Der Krieger soll stets so handeln, wie es gerade nötig ist, um seinen Gegner zu besiegen. Er soll durch harte Übung dahin gelangen, dass er sich nicht um einzelne Handgriffe, Umstände und Äußerlichkeiten kümmern muss und er sich vollständig und ausschließlich auf das Herz bzw. den Geist des Gegners konzentrieren kann. Sein Blick dringt dann in das tiefste Innere des Gegners vor und er bekommt viel umfassendere Informationen – nicht nur über den Gegner, sondern auch über den Kampfverlauf. Seine Bewegungen sind niemals überstürzt oder lahm – sondern immer ruhig und überlegt.

Das Buch der Leere

Die Leere können Menschen nie gedanklich durchdringen oder endgültig verstehen. In der Leere existiert nichts, insofern gibt es an ihr nichts zu erkennen. Nur indem man das Existierende erkennt, kann man auch das Nicht-Existierende erkennen, und das ist eben: die Leere.

„In der Welt des ,Nichts‘ gibt es nichts Böses, nur das Gute besteht. Wissen und Talent stoßen in der Menschenwelt auf Grenzen; das gilt sogar für die Kampfkunst. Darum soll der Geist dem ‚Nichts‘ gehören. Dieses bedeutet: Unbegrenzt-Sein.“ 
(S. 73)

Die Leere kann der Samurai nur dann verstehen, wenn er lange und konzentriert die Regeln der Schwertkunst befolgt und geübt hat, wenn er seine Urteilskraft geschärft, alle Täuschungen überwunden und tagtäglich seine Fähigkeiten verbessert hat. In diesem Zustand wird dem Krieger klar, dass alle weltlichen Lehren und Meinungen der Menschen letztlich falsch sind. Der Zustand der Leere ist der Zustand der Erleuchtung, des „Unbegrenzt-Seins“. Nur in diesem Zustand erkennt man den wahren Weg. Insofern ist der Weg nichts anderes als die Leere, und die Leere ist der Weg. Deshalb enthält das Buch der Leere auch das Wesen der Niten-ichiryū-Schule.

Interpretationsansätze

Auf Das Buch der fünf Ringe geht das Konzept einer Kampfkunst zurück, die über das reine Kriegs- oder Kampfhandwerk hinausgeht und sich als übergreifende Ethik versteht. Der Weg des Kriegers zeigt sich für Musashi nicht nur in der Kampfkunst selbst, sondern muss sich in jedem Aspekt des Alltagslebens genauso klar zeigen wie im Kampf.
Musashi benutzt das japanische Wort „hyoho“, also „Strategie“, um seine Schule des Schwertkampfes zu bezeichnen. Daraus wird ersichtlich, dass Musashi nicht nur vom Schwertkampf im engeren Sinn spricht, sondern allgemeines strategisches Verhalten lehren will.
Das Buch der fünf Ringe ist ein frühes Produkt des Säkularismus in Japan. In den Jahrhunderten zuvor wurden der Kampfkunst religiöse Regeln von außen vorgegeben. Musashi jedoch entwickelt eine Ethik der Schwertkunst aus der Lebenshaltung des Kriegers selbst heraus, ohne sich auf eine bestimmte Religion zu beziehen.
Das Kapitel über die Leere rückt Musashis Schule nahe an die Lehren des Zen-Buddhismus. In diesem Abschnitt nennt er explizit Erleuchtung als Ziel von Kampfkunst und beschreibt den Geisteszustand der Leere, der im Zen-Buddhismus von zentraler Bedeutung ist.
Einzigartig am Buch der fünf Ringe ist die Allgemeingültigkeit der Regeln, die der Autor beansprucht. Musashis Anweisungen sollen für jede Form des bewaffneten Kampfes – mit allen Waffen, ob Duell oder Schlacht – ebenso gelten wie für strategisches Verhalten in anderen Lebensbereichen bzw. im einfachen Lebensalltag des Kriegers.
Auffällig ist Musashis undogmatische Haltung. Einerseits distanziert er sich von religiösen Schulen wie Konfuzianismus, Taoismus oder Buddhismus, andererseits lässt er auch offen, dass sich Gemeinsamkeiten in dem „wirklichen Folgen eines Weges“ finden lassen. Zudem betont er die Offenheit der Leere, um zu verhindern, dass seine Lehre kodifiziert wird.

 

Historischer Hintergrund

Der Beginn der Edo-Zeit

Zwischen 1570 und 1600 ging in Japan eine Epoche politischer Spaltung und bürgerkriegsähnlicher Zustände zu Ende. Nachfahren der Kaiserdynastien hatten mit Feldherren – Shogunen – und lokalen Fürsten um die Macht gekämpft. Um 1600 vollendete Tokugawa Ieyasu das langwierige Werk der Wiedervereinigung Japans, das Oda Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi in den Jahren zuvor begonnen hatten. Da Tokugawa den Verwaltungssitz des neuen Einheitsreiches in einem Dorf namens Edo (das heutige Tokyo) ansiedelte, nennt man die daraufhin beginnende Epoche die Edo-Zeit. Sie dauerte bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts an und brachte Japan mehr als 250 Jahre Stabilität und Frieden. Erreicht wurde diese Ära durch eine strenge Regulierung der Gesellschaft und durch weitgehende Abschottung Japans von seinen Nachbarn. Tokugawa entmachtete im frühen 17. Jahrhundert Shogune und Fürsten und stärkte Bürokratie und ständische Ordnung. Ab der Edo-Zeit ruhte die japanische Gesellschaft auf vier Ständen: Kriegern bzw. Samurai, Bauern, Handwerkern und Kaufleuten. Die Zugehörigkeit zu diesen sozialen Klassen war erblich und regelte das Alltagsleben der Menschen von der Kleidung bis hin zum Verhalten. Durch die Trennung der Krieger von der restlichen Gesellschaft sollte die Stabilität der Gesellschaft gesichert werden. Nur die Samurai durften Waffen tragen – und auch das nur im Rahmen strenger Regeln. Deshalb entwickelten sich in der Edo-Zeit konkrete Kampfsportstile und ihre streng genormten, kanonischen Figuren, die „Katas“. Die Samurai hörten auf, tatsächliche Krieger zu sein. Sie erhielten hohe Beamten- und Regierungsposten und begannen, ihre Kriegstechniken stärker als Kunstform und Lebensschule zu verstehen.

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